Karin Slaughter im Interview

Was sind Ihre Lieblingsbücher und Filme? Sind es immer Thriller?
KS: Nein, es sind nicht immer Thriller. Ich liebe alte Filme wie Vom Winde verweht und Die Nacht vor der Hochzeit. Zeitgenössische Filme, die mich begeistern, sind Clay Pigeons - Lebende Ziele, Stand by me - Das Geheimnis eines Sommers, Die Verurteilten, Das Schweigen der Lämmer … oh, Moment mal, vielleicht sind das ja alles Thriller! Ich lese gern Sachbücher von Erik Larson, Jon Krakauer, Ann Rule und Doris Kearns Goodwin. In der Belletristik ist Kathryn Harrison eine meiner Lieblingsautorinnen (obwohl Flannery O'Connor die unangefochtene Spitzenposition innehat), und dann sind da die üblichen Verdächtigen: John Irving, Anne Tyler, Denise Mina, Mo Hayder.

Wer ist Ihr Lieblings-Krimiautor oder Filmemacher, tot oder lebendig? Was würden Sie ihn fragen, wenn Sie die Chance hätten, ihn zum Dinner zu treffen?
KS: Patricia Highsmith, obwohl nicht alle ihre Bücher Kriminalromane sind. Carol oder Salz und sein Preis ist eine erstaunliche Arbeit, die, eher untypisch, glücklich endet (wenn man das so sagen kann). Ich weiß nicht, wie ein Dinner mit Patricia Highsmith wäre. Manchmal war sie wohl charmant und zugewandt, in anderen Situationen sehr introvertiert. Ich bin auch ziemlich introvertiert, also würde das Dinner vielleicht eine halbe Stunde dauern, während der wir uns nicht anschauen. Wahrscheinlich müssten wir einen dritten Autor dabei haben, damit wir überhaupt ins Gespräch kommen.

Können Sie sagen, wie viele Personen in Ihren Thrillern gestorben sind?
KS: Ich habe nicht die leiseste Idee. Aber ich versuche sicherzustellen, dass ungefähr die gleiche Anzahl Männer und Frauen morden. Ich hatte schon schreckliche Mörderinnen, was nicht immer leicht zu schreiben ist, weil Frauen oft auf besonders heimtückische Weise Verbrechen begehen. Amüsant finde ich, dass meine Bücher mit den wenigsten Todesopfern generell als psycholisch besonders grausam bezeichnet werden.

Wie sieht ein perfekter Karin Slaughter-Tag aus?
KS: Lesen in Gesellschaft meiner Katzen, danach etwas Schreiben, danach eine Schöner-Wohnen- Sendung im TV. Dazu Cupcakes, aber nur die Sorte, die kein Fett und keine Kalorien enthalten.

Hatten Sie jemals einen Albtraum wegen der Geschichten, die Sie sich selbst ausgedacht haben?
KS: Niemals. Aber gelegentlich lese ich ein Detail in einem Autopsiebericht oder höre eine Geschichte, die etwas Dunkles in meinem Kopf entstehen lassen. Seltsamerweise hatte ich die Idee zu PRETTY GIRLS in einem Traum. Ich nahm damals schwere Schmerzmittel wegen eines Bandscheibenvorfalls und träumte davon sehr lebhaft. Normalerweise taugen diese Ideen bei Tageslicht betrachtet nicht viel. Aber bei PRETTY GIRLS wusste ich, dass dieser Einfall so gut war, dass ich ein Buch daraus machen könnte.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten in PRETTY GIRLS?
KS: Ich mochte es sehr, dass ich das Verbrechen aus einem anderen Blickwinkel erzählen konnte. Normalerweise schreibe ich aus der Sicht des Ermittlers, deshalb war es eine echte Herausforderung, diesen Blickwinkel aufzugeben und trotzdem die Spannung und die Glaubwürdigkeit zu erhalten. Ich wollte Lydia und Claire nicht als „zwei kämpferische Mädels, die ein Verbrechen lösen“ positionieren. Ich wollte, dass sie sich wie zwei reale Personen anfühlen und auf diese Weise auch ihre Entscheidungen treffen.

Haben Sie besondere Gewohnheiten, während Sie schreiben? Ein bestimmtes Outfit, eine bestimmte Schreibzeit etc.?
KS: Ich trage fast immer meinen Hausanzug, also kein bestimmtes Outfit, obwohl … jetzt, wo Sie es erwähnen: Vielleicht verkleide ich mich mal als Zauberin. Normalerweise stehe ich morgens auf, fange an zu schreiben, bis ich nicht mehr kann, dann schaue ich sinnlose TV-Shows oder schlafe. Dann wache ich wieder auf und schreibe weiter. Meistens schreibe ich in meiner Blockhütte in den Bergen, in großartiger Einsamkeit. Ich spinne mich gern in einen Kokon ein. Mein Vater lebt am Ende der Straße, und manchmal öffne ich morgens die Haustür und finde dort Suppe und Maisbrot, die er dort deponiert hat, um sicher zu gehen, dass ich überhaupt etwas esse.